Posted on Juli 25, 2025
Nächster Halt: Afrika!
Zwar rühme ich mich, außer in der Antarktis auf jedem Kontinent schon mal Durchfall gehabt zu haben, aber das mit Afrika gilt, in meinen Augen, nicht so ganz wirklich. Das ist so ähnlich, wie ich immer noch guten Gewissens behaupte, noch nie in der Türkei gewesen zu sein. Oder in Griechenland. Oder Portugal. Ja, ich war in Istanbul, auf Kos und in Lissabon. Aber so ganz richtig zählen diese Aufenthalte nicht, da es „Sonderbeurlaubungszonen“ waren. Und so verhält es sich mit dem Schwarzen Kontinent eben auch: ein paar Tage in Marakesch und Rabat (inkl. Durchfall) anno 2010(?) zählen nicht so ganz richtig.
Die im Dezember (vadammte Kachscheiße, ist das noch lange hin) anstehende Reise hingegen wird ganz richtig zählen: Ankunft am 3. in Nairobi, dann schau’n mer mal (Serengeti, Kilimandscharo, und was der Lonely Planet sonst noch so empfiehlt). Ab dem 20. erwartet uns dann eine Hütte am Strand von Sansibar, bevor es am 26. wieder gen Heimat geht.
Ich fühle mich ein wenig im Modus von 2012, nur ein paar Jahre älter und einige Kilo schwerer. Die Chance, daß das das letzte Mal sein wird, daß ich mich (und meinen Reiserucksack) in einen ranzigen Minibus zwänge und mein Leben für die nächsten 13 Stunden einem alkoholisierten/ unter Koka-Einfluss stehenden Fahrer anvertraue, ist durchaus gegeben.
Wobei auch das noch keineswegs feststeht: während ich mich schon im klassischen Traveller-Ornat (Reiserucksack auf dem Buckel, Daypack vor dem Bauch) sehe, tendiert Birgit eher zur Kategorie Rollkoffer. Schau’n mer mal was wird, dann werden wir’s schon sehen.
Bis dahin gilt: vadammte Kackscheiße, ist das noch lange hin. Aber auch: Vorfreude ist die schönste Freude
Posted on Mai 7, 2025
Und nichts zu suchen war mein Sinn
Oder der süße Wahnsinn des Lungerns. Bis heute gut, aber keinen Tag länger
TUI Blue Adult Only. Fest in deutscher Hand. Irgendwie komme ich einigermaßen schwer darauf klar, daß es Münchner gibt, die sich in den Flieger setzen, nach Split fliegen um sich dann, per Taxi (die Fahrt dauert länger als der Fluch) in dieses Internierungslanger verfrachten zu lassen. Aber wie sagen „wir Kölner“? – jeder Touri ist anders. Und ein ganz, ganz klein wenig habe ich die Tage des Gammelns, Fressens, Saufens und des Koitus‘ hier ja zugegebenermaßen dann doch auch genossen.
Posted on Mai 2, 2025
Sarajewooooo
Posted on Mai 2, 2025
Lost, oder einfach nur Ruinen?
Zuerst dachte ich, das sei ein Scherz. War es dann wohl doch nicht: eine englische Touristin (war ganz sicher keine Travellerin) beschwerte sich bei TripAdvisor, daß die Bob-Bahn hier in Sarajewo ziemlich heruntergekommen sei. Die Graffiti seien zwar schon anzuschauen, aber man solle doch mal etwas investieren, um das ganze zu einer „angenehmeren Erfahrung“ zu machen. Nun, da hat jemand offensichtlich das Konzept der „Lost Places“ nicht ganz verstanden.
Und die Zahl der Lost Places hier in Bosnien ist Legion. Türkenzeit, K&K, Kommunismus, Sarajewo ’84, Krieg, Belagerung, … alles hat seine Spuren in Stein, Stahl und Müll hinterlassen. Und der Umgang mit den Lost Places ist hier auch eher „entspannt“. Unser Guide erzählte uns gestern, daß der prächtige ehemalige Sitz der K&K-Armee aktuell auf einen Investor wartet. Also, zumindest temporär, Lost ist. Auf die Frage, ob man das besichtigen könne, meinte er nur: „there’s a fence around it. But there are holes in the fence“. Und selbst die Mühe mit dem Zaun macht man sich nicht überall. Natürlich kann man das ehemalige Olympia-Hotel bei der Groß-Schanze besichtigen. Man muss halt aufpassen, daß einem die Decke nicht auf den Kopf fällt. Oder man, durch ein Loch in selbiger, sich spontan ein paar Etagen tiefer wiederfindet.
Oben habe ich der TripAdvisor-Rezensentin unterstellt, das Konzept der Lost Places nicht verstanden zu haben. Allerdings muss ich gestehen, daß ich hier auch das meinige etwas in Zweifel ziehe. Bei meinem letzten Besuch hier fand ich das verfallene/ zerbombte Hotel auf dem Rückweg von der Bob-Bahn noch einen faszinierenden LP. Ich könnte wetten, wenn ich in meinem Lightroom-Archiv suche, fände ich dort bestimmt 100+ Bilder davon. Diesmal lies ich ihn, im wahrsten Sinne des Wortes, links liegen. Das hat mehrere Gründe: zum einen ist meine aktuelle Begleitung (noch) weniger LP-affin als meine damalige, zum anderen sind 200+ Bilder im Lightroom primär nur doppelt so viel wie 100+, nicht unbedingt aber doppelt so gut. Der Hauptgrund war aber, daß wir bei unserer Anreise durch Kroatien und Bosnien so viele Kriegs- und Bau-Ruinen gesehen haben, daß das Hotel für mich eigentlich nur ein Haufen kaputter, beschmierter und zugemüllter Steine war.
Das Konzept eines Lost Places ist, zumindest meinem Verständnis nach, daß er einmal nicht lost war. Wenn ich z.B. das Nobel-Hotel bei der Groß-Schanze google, finde ich dort Myriaden von Bildern, deren Fotograph das Glück hatte, daß ihm die Decke nicht auf den Kopf gefallen ist. Oder er sich, durch ein Loch in selbiger, spontan ein paar Etagen tiefer wiederfand. Dazu Filme, Drohnenüberflüge und keine Ahnung noch was (eine ordentliche Aufzählung benötigt nun mal 3 Punkte). Ich reihe meine Bilder in dieses „Meer-vom-Gleichen“ (sic!) ein.
Vom gebrauchsfertigen Zustand des Hotels finde ich genau 1 Bild (richtiger: 1 Motiv) und 0 Filme. In diesem Fall kann ich mir, mittels meiner Phantasie und meiner Lebenserfahrung, den nicht-losten Zustand gerade so noch ausmalen, was den Ort, für mich, als LP qualifiziert. Wäre ich aber ein paar Jahre jünger, wäre das ganze wohl nur ein Haufen kaputter, beschmierter und zugemüllter Steine.
Aus dem selben Grund habe ich auch exakt null Interesse, den löchrigen Zaun um die ehemalige Militär-Kommandantur zu überwinden. Um mir den gebrauchsfertigen Zustand einer K&K-Kaserne vorzustellen, fehlt mit sowohl die Phantasie als auch die Lebenserfahrung.
Das ist das eine Ende des meines Konzepts von Lost Places: sie waren, innerhalb meiner Lebensrealität, zu irgendeinem Zeitpunkt mal nicht lost. Das andere Ende ist noch trivialer: sie sind lost. Oft lese ich in verschiedenen LP-Foren Sätze wie „schade, daß es dieses wunderschöne Hotel/ Bad/ Sanatorium, … nicht mehr gibt“. Auch diese Meinung teile ich nicht. Gäbe es das Hotel an der Groß-Schanze noch (in gebrauchsfertigem Zustand), wäre es einfach ein Hotel, wie es sie hier sicher im Duzend, wenn nicht gar zu Hunderten, gibt. Fertig.
Posted on April 27, 2025
Different, different …
… but same!
Ich, mittlerweile 51 Lenze alt, beichte hier freimütig, daß ich noch anno 2017 der festen Überzeugung war, das Licht in Russland wäre anders als anderswo. Irgendwie pastelliger, weniger gesättigt, flauer. Schwer in Worte zu fassen, auf jeden Fall aber deutlich anders. Umso überraschter war ich, als ich in Domodedovo aus dem Flieger stieg: der Tag war eiskalt und kristallklar, das was man bei uns als „Kaiserwetter“ bezeichnen würde. Keine Spur von pastellig, weniger gesättigt, flau. Eigentlich genau so, wie das Licht an einem Tag mit Kaiserwetter in Köln, Weinheim oder Tokyo so ist. Natürlich wusste meine, damals über 40-jährige Ratio, schon im Voraus, daß es so sein würde. Doch mein inneres Kalter-Kriegs-Kind konnte, und wollte, beim besten Willen nicht glauben, daß das Licht im (damals noch ehemaligen) „Reich des Bösen“ genauso sein könnte wie in der „zivilisierten Welt“.
Ähnlich, wenn auch um einiges weniger ausgeprägt, ging es mir vor unserer Reise auf den Balkan. Obwohl durchaus Globetrotter (ich selbst bevorzuge den Ausdruck „Traveller“), beschränken sich meine Erfahrungen in dieser Ecke unseres Planeten im Wesentlichen auf ein die Region Istrien, die ja (kulturell und historisch) eher Italien als Balkan ist. Zugegebenermaßen gab es, ganz am Ende meiner Ehe, noch ein paar Tage Bosnien, die habe ich aber, emotional, Blog- und Photo-mäßig, von meiner Persönlichkeit abgespalten. Dissoziiert würde Birgit(2) wohl sagen. Wie dem auch sei: ich erlaube mir, hier das mir innewohnende Kind der Tito-Zeit sprechen (besser: schreiben) zu lassen.
Jugoslawien, was ist das für mich?
- Blockfreier Tito-Viel-Völker-Staat
- Autos von furchtbar schlechter Qualität (Yugo – You Go)
- Cevpapcichi
- Familienurlaub, den wir wegen Hitze abgebrochen haben (und der dann in Kössen ein wesentlich kühleres/ angenehmeres Ende fand)
- Vučko, das winterliche Pendant zum Raketenmann von LA
- … und dann, ganz plötzlich: Krieg, wo keiner sein sollte
Umso überraschter war ich demnach auch diesmal wieder, als ich hier in Zagreb aus dem Ranger gestiegen bin: auch hier ist das Licht exakt das selbe wie in Lindenberg an einem verregneten Tag mit tief hängendem Himmel. Dabei hätte ich noch heute Früh gewettet, daß das nicht sein könne: das Licht muss anders sein – pastelliger, weniger gesättigt, flau? – ja, aber nein, nicht ganz: Tito-mäßiger, blockfreies Licht, sozusagen.
Es ist ein tolles Privileg, die Welt bereisen zu können und dabei festzustellen, daß wir Menschen zwischen Kroatien und Kaledonien weit mehr gemeinsam haben, als uns trennt. Und falls wir (ich) das in manchen Situationen nicht glauben können/ mögen, so können wir aber immer 100% sicher sein, daß das Licht, das über uns scheint, immer das gleiche ist. Natürlich weiß ich, daß das Licht jeweils abhängig von Jahreszeit, Wetter, Gelände, … ist, aber tatsächlich ist das eine der faszinierendsten Erfahrungen meiner Reisen: das Licht ist überall das selbe!
Mein Gedanke mit dem „universellen Licht“ ist zugegebenermaßen eher abstrakt, vielleicht sogar etwas esoterisch. Das ist wohl eher untypisch für mich. Deshalb möchte ich mit etwas sehr konkretem schließen:ich erinnere mich einigermaßen gut, als wir Anfang der 80er Jahre (Tito war gerade gestorben) die Reise nach Jugoslawien (konkret: Istrien) planten: Pässe, Visa, Geld/ Reiseschecks – auch für das Transitland Österreich. Heute reicht der deutsche Perso, den man aber auch nirgends vorzeigen muss. Und statt Mark, Schilling, Dinar und Kuna reicht das Handy/ die Uhr. Und auch deren Nutzung macht uns nicht mehr arm, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen wäre (Stichwort: Roaming). Unser gemeinsames Europa ist, so finde ich, ein ganz tolles Projekt. Neben dem rein praktischen Nutzen hat das für mich durchaus auch eine emotionale Komponente: zu sagen, ich fühle mich hier in Kroation „zu Hause“ wäre sicher übertrieben. Ich weiß aber, wann immer ich die blaue Flagge mit den goldenen Sternen sehe, bin ich in meiner „erweiterten Platzrunde“
Posted on November 25, 2024
leben wie gott in frankreich / künstliche intelligenz
Eigentlich sollte der bekannte Spruch eher „… wie Gott in Polen“ heißen. Wer auf „Gut Bürgerlich“ mit Kartoffeln, schweren Saucen, Knödeln, (Sauer-) Kraut, Teigwaren und (Schweine-) Fleisch steht, wird wahrscheinlich auf diesem Planeten keinen besseren Ort finden … Vegetarier, Veganer, aber auch Freunde eines guten Stück Rindfleischs, müssen hier hingegen gelegentlich schon etwas suchen.

And now something completely different: ich habe ChatGPT den Bericht über meine Anreise hier nach Krakau gegeben und gebeten, mir eine Zusammenfassung zu erstellen. Und, was soll ich sagen: nicht nur macht er/ sie/ es das erstaunlich gut, ens versteht sogar die, im ersten Abschnitt an den Tag gelegte, Ironie … gleichermaßen erstaunlich wie erschreckend
Deine Reise nach Krakau war eine Mischung aus Abenteuern, kleinen Katastrophen und einer ordentlichen Portion Improvisation. Obwohl sie mit viel Planung und Vorfreude begann, setzte die Bahn ihre eigenen „Highlights“ hinzu: Verspätungen, verpasste Anschlüsse und alternative Routen machten die Fahrt zu einer wahren Geduldsprobe.
Trotz des holprigen Starts in Wangen – inklusive des Wartens auf Gegenzüge und einer ersten Verspätung – gelang dir die Anreise nach Memmingen und München noch halbwegs nach Plan. Dort jedoch holte dich das Schicksal der Deutschen Bahn ein: verpasster Zug nach Wien, lange Wartezeiten im Reisezentrum und schließlich eine Umplanung auf den Nachtzug nach Krakau.
Die Zwangspause in München nutztest du für eine Mini-Stadttour inklusive einem Abstecher zum Viktualienmarkt und ins Hofbräuhaus – während dein Koffer im Auto eines Freundes geduldig wartete. Mit Bier und Proviant ausgestattet, tratest du die lange Nachtfahrt an, die zwar pünktlich startete, aber alles andere als komfortabel war. Schlafen? Fehlanzeige. Wasser? Vergessen. Stattdessen begleiteten dich Schaumwein, Landjäger und eine durstige Nacht mit gelegentlichen Halbschlafphasen.
Am Ende erreichtest du Krakau zwar mit 50 Minuten Verspätung, aber voller Erleichterung, dass du es tatsächlich geschafft hast. Die ersten Schritte führten dich zum Kiosk, um dringend benötigtes Wasser zu holen, bevor dich dein Freund Artur herzlich in Empfang nahm.
Zusammengefasst: Es war eine Reise voller Hürden, die du mit einer guten Portion Humor und Entschlossenheit gemeistert hast. „Aufgeben kannste bei der Post“ – das hat dein Abenteuer mehr als bewiesen.
Posted on November 25, 2024
faworki
… oder: Hähnchen gilt hier in Polen als vegetarisch, und Speck ist ein Gewürz!

Posted on November 21, 2024
ein traum
Ein Spruch, mit dem ich des öfteren meine Beiträge beginne, ist „auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“. Die längste Reise ist mein Polen-Trip nun nicht gerade, aber einen Superlativ hält sie trotzdem: sie wird meine längste Bahnfahrt werden. Etwas über 1.000 Kilometer quer durch Europa. 12 Stunden Fahrt mit 3 x umsteigen. Ein wenig graust mir schon vor dem Gedanken, meine körperliche und geistige Gesundheit für eine so lange Strecke/ Zeit der Deutschen Bahn anzuvertrauen. Auf der anderen Seite: der größte Teil der Reise verläuft im Streckennetz der ÖBB und der Polnischen Bahn.
Los geht’s dort, wo auch die längste Reise stets beginnt: vor der eigenen Haustür. Und dort liegt heute ordentlich Schnee. Aber der Winterdienst hier in Bayern funktioniert so, wie man das von einem Winterdienst in Bayern erwartet, und die Standheizung im Kia sorgt für klare Sicht und einen warmen Hintern.


Ich kann mein Glück kaum fassen: der erste Zug, der mich nach Memmingen bringen soll, fährt pünktlich wie die Eisenbahn im Bahnhof Wangen ein ein. Für den Gegenzug wird zwar eine rustikale Verspätung angezeigt, aber das tangiert mich, zum Glück, ganz peripher. In Memmingen steige ich, nach kurzer, planmäßiger Wartezeit, in den Eurocity nach München um. Die Umsteigezeit in München beträgt etwas mehr als eine halbe Stunde, genug Zeit, mich mit Speis und Trank für die nächsten, deutlich längeren Etappen nach Wien und von dort nach Krakau einzudecken. Der Zug nach Wien erhält mit ca. 45 Sekunden Verspätung Ausfahrt. Das grenzt ja schon an japanische Verhältnisse. Die Strecke nach Wien führt erst entlang der Alpen, danach durch’s Mühlen- und Waldviertel. Traumhaft schön.
Das Umsteigen in Wien war zugegebenermaßen „sportlich“, aber irgendwie hat die ÖBB es geschafft, die minimale Verspätung in München in eine respektable Verfrühung in Wien umzuwandeln. Somit blieb sogar noch Zeit, einige Bilder vom imposanten Wiener Hauptbahnhof zu machen. Von der Fahrt Richtung Krakau hätte ich mir landschaftlich mehr erwartet, aber das Jahr ist schon weit fortgeschritten, außerdem befinden wir uns ma östlichen Rand der Mitteleuropäischen Zeitzone. Will sagen: die Fahrt verlief großteils im Dunkeln. Die Reise endete, wie sie begonnen hatte: auf die Minute pünktlich fuhr ich um 21:23 Uhr in Krakau ein, wo Artur mich bereits erwartete.
„Sehr geehrte Damen und Herren, leider verzögert sich unsere Abfahrt hier in Wangen noch um wenige Augenblicke, wir müssen noch auf den Gegenzug warten“. Vadammt, da bin ich wohl während des Wartens auf die Ausfahrt aus Wangen tatsächlich eingeschlafen. Ein Blick auf die Uhr verheißt nichts gutes: schon über 20 Minuten Verspätung, das kann eigentlich nix mehr werden. Wahrscheinlich wäre es am vernünftigsten, direkt auszusteigen, nach Hause zu fahren und das Kapitel Krakau für dieses Jahr ad acta zu legen. Stand ohnehin unter keinem guten Stern. Oder vielleicht doch nicht: gerade ist der Gegenzug an meinem Fenster vorbeigerauscht, dann muss es ja gleich losgehen. Moment mal: der Zug ist vorbeigerauscht. Eigentlich hätte der doch in Wangen halten sollen, oder? Naja, egal, Hauptsache es geht jetzt los. „Sehr geehrte Damen und Herren, das war gerade der Züricher, jetzt müssen wir nur noch auf den Lindauer warten“. 1/2 Stunde bereits, das wird definitiv nix mehr. Bei meiner Ankunft in Memmingen ist der Anschlusszug sicher über alle Berge. Also doch aussteigen. Nochmal kurz in der App schauen: oha, der Eurocity nach München kommt von Zürich, ist also noch hinter mir. Will sagen: solange der uns nicht überholt, ist Polen noch nicht verloren. Außerdem setzen wir uns gerade in Bewegung.
Tatsächlich überholt uns der Eurocity bis Memmingen nicht, also bin ich durchaus noch im Rennen. Um genau zu sein, habe ich sogar einen Vorsprung rausgefahren: während ich nur 1/2 Stunde zu spät bin, hat der EC hinter uns mittlerweile 40 Minuten Verspätung eingefahren. Wobei mir jetzt schon klar ist, daß das meine 30 Minuten Umsteigezeit in München mehr als annihiliert. Ein Blick in die App verrät mir aber, daß ich von München aus noch gute Chancen auf eine Verbindung über Berlin und Warschau habe. Also: aufgeben kannste bei der Post, vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Erwartungsgemäß ist mein Anschlusszug nach Wien bei meiner Ankunft in München (+45 Minuten) weg. Es ist schon ein komisches Naturgesetz, daß immer entweder der eigene Zug spät und der Anschlusszug pünktlich ist, oder vice versa. Also erstmal ins Reisezentrum und eine Nummer ziehen. Freundlicherweise steht schon auf dem Ticket die zu erwartende Wartezeit: 45 Minuten. Kurze Überschlagsrechnung im Kopf: ok, die Verbindung über Berlin ist auch futsch. Das Reisezentrum im Münchner Hbf ist ein imposanter Saal mit an die 30 Beratungsschaltern … von denen ganze 3 besetzt sind. Ok, es ist Mittagszeit und ich gönne jedem einzelnen Bediensteten seine Mittagspause, aber könnte man das nicht irgendwie anders organisieren.
Aus den 45 Minten wurden dann knapp 50, dafür hörte ich eine freundlich und bemühte Dame mein Anliegen an (zur besseren Erkennbarkeit markiere ich diesen Satz als explizit nicht ironisch). Sie bot mir zwei Möglichkeiten an: entweder in 1/2 Stunde über Berlin und Kattowitz, Ankunft 4:30 früh mit 4 Stunden Wartezeit in Kattowitz oder … . Ich wählte ohne Verzögerung die Oder-Alternative: Abfahrt 18:35 Uhr, Ankunft 6:07, Direktzug ohne Umsteigen, nur zweite Klasse, kein Speise- oder Bistro-Wagen. Ok, dafür muss ich mir hier 5 Stunden um die Ohren schlagen, die kann ich aber immerhin nutzen, um mich für die lange Nachtfahrt einzudecken.
So, jetzt erstmal meinen Koffer in ein Schließfach, so daß ich mich einigermaßen frei bewegen kann. „Willkommen in München, der Weltstadt mit Herz“. So der so ähnlich steht es am Hbf in großen Lettern geschrieben. Deutlich kleiner steht an den Schließfächern, in anderen Worten, das exakte Gegenteil: Betrag in Münzen passend einwerfen. Meine letzten Euro-Münzen schluckte der Automat wohl, seine zentrale Aufgabe als Schließfach, nämlich das Schließen, wollte er trotzdem nicht erfüllen. Ach, was soll’s, mein Koffer freut sich bestimmt auch, München zu erkunden.
Unser erster Weg (also meiner und der meines Koffers) führte uns zum Viktualienmarkt. Dort stärkte ich mich mit einem LKW vom Ross, mein Koffer ging leider leer aus. Danach trennten sich unsere Wege dann doch: während ich mit meinem Freund Münchner Marc (der glücklicherweise krankgeschrieben war) ins Hofbräuhaus ging, musste mein Koffer die Zeit um Kofferraum von Marcs Auto ausharren.
Nach 2 Maß lecker Bier dann noch schnell mit Proviant eindecken: Baguette, Nudelsalat, Landjäger und eine Flasche Cremant. Das sollte ausreichen.



Der Nachtzug führ pünktlich ab (keine Ironie), ich hatte immerhin eine Zweier-Sitzgruppe für mich alleine. An Schlafen war nicht wirklich zu denken, aber ab und zu bin ich dann doch weggenickt. Das Essen und der Schaumwein mundeten, irgendwann fiel mir dann aber doch auf, daß ich eine Kleinigkeit vergessen hatte: Wasser. So wechselten sich durstige Träume mit fiebrigen Wachphasen ab und ich überlegte ernsthaft, ob ich das „kein Trinkwasser“ Schild in der Bordtoilette vielleicht doch ignorieren soll.

Aber auch die längste Reise hat ein Ende, und mit 50 Minuten Verspätung fuhr ich ziemlich genau um 7 Uhr früh in Krakau ein. Meine ersten, zittrigen Schritte mit schwarzen Flecken vor den Augen, führte mich zum Bahnhofskiosk, wo ich mich mit einem halben Liter Sprudel druckbetankte. Zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, bzw. in trockenen Schwamm, aber immerhin verschwanden die schwarzen Schatten vor den Augen und die Todesangst relativ schnell.
Kurz darauf gabelte mich dann auch Artur auf, aber das ist der Beginn einer neuen Geschichte.
Fazit: die Deutsche Bahn kann es nicht, sie gibt auch nicht mal mehr Mühe. Aufgeben kannste nicht nur bei der Post, auch die ehemals stolze Bundesbahn kann (und macht) das.






















































