Posted on Oktober 14, 2024
ausgegangen/ jazz
Ein Jazz-Konzert. Das kann ja was werden. Auf der anderen Seite: man kann ja nicht immer nur in den eigenen 4 Wänden das Möbel hüten. Nun denn, auf in die nächstgelegene Großstadt (die übrigens die Großstadt mit dem kürzesten Namen ist) und rein ins kulturelle Nachtleben.
Doch vorher heißt es ausgehfein machen: ausführlich Baden, den Bart stutzen und rein in den feinen Zwirn, der erfreulicherweise noch/ wieder zugeht. Ein schwarzer Rolli wäre darunter sicher angebrachter gewesen als das oliv-grüne Funktionsoberteil, der wäre aber definitiv viel zu presswurstig gewesen. Dazu, auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen, die guten Treter. Ich persönlich fand barfuß in Jesuslatschen durchaus angemessen für ein Jazz-Konzert. – Verdammt, habe ich schon lange keine Nicht-Treckingschuhe mehr getragen! Das wird kein Spaß! Aber: was macht man nicht alles für die Frauen.
Wie sagte schon Bert Brecht: erst kommt das Fressen, dann die Kultur (oder so ähnlich). Und genau so sollten wir es auch halten. Da wollte ich mich nicht lumpen lassen und habe meine Frau in die Feinkost-Abteilung eines renommierten skandinavischen Innendesigners ausgeführt, wo wir uns an einem Mehr-Gänge-Menü delektierten:

Bei unserer Ankunft am Veranstaltungsort überkam uns zunächst die Befürchtung, wir könnten am falschen Platz sein. Nachdem wir aber durch die Fenster technisches Equipment erblickten, und kurz danach auch freundlich vom Veranstalter hineingebeten wurden, freuten wir uns auf ein Privatkonzert.

Ganz privat war’s dann zwar doch nicht, aber von ausverkauftem Haus/ Kirche zu reden, wäre eine maßlose Übertreibung. Spontan kam mir der alte Witz vom Jazz-Musiker und dem Arzt in den Sinn.
Einen Arzt hätte ich mittlerweile selbst gut gebrauchen können: die Schuhe drückten dermaßen, daß mir jeder Schritt die Tränen in die Augen trieb und die Kirchenstühle waren so unbequem, daß man meinte, ihr Zweck sei einzig das Leid Christi zu vermitteln.
Zum Konzert selbst? – was soll ich da sagen, es war gut. Wirklich gut. Erstaunlich gut. Auch wenn ich bisweilen den Eindruck hatte, ich würde über 2 Stunden lang das gleiche Stück hören, konnte ich mich dem Zauber der aufgezeichneten „Klanglandschaften“ und der starken Dynamik, die vor allem der Schlagzeuger erzeugte, nicht erwehren.
Alles in allem schon ein ziemlich gelungener Tag/ Abend!

