hotel sacher, der portier!

Nach dem Ankunftstrunk sieht die Tradition für den zweiten Tag das Erkunden der Destination vor. Oder, in anderen Worten: stromern, sich treiben lassen, „nichts zu suchen ist mein Sinn“. und üblicherweise erstrecken sich diese ersen Schritte entlang ausgetretener Pfade. Hier nicht anders: Stephansdom, Hofburg, Burgtheater.

Und das legendäre Hotel Sacher. Die Sachertorte steht natürlich auf unserer Agenda. Aber: nicht hier, nicht heute. Die Schlange an Reisenden aus aller Herren Länder erstreckt sich bis zum Horizont. Haben die alle kein zuhause? Auf der anderen Seite: wer will’s ihnen verübeln, es ist ein Sonntag, der seinem Namen alle Ehre macht. Kaiser-Wetter. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, vielleicht ist’s unter der Woche ja besser.

Auch ohne Torte macht sich doch ein gewisser Kaffeedurst bemerkbar. Kein Problem, schließlich sind wir in der Welthauptstadt der Kaffeehaus-Kultur. Ich muss zugeben, ich dachte bis heute, „Café Central“ sei der exklusive Name des Weinheimer Jugendtreffs. Aber irgendwie scheinen die Ösis den so toll gefunden zu haben, daß sie ihn direkt klauten. Und nicht nur die Ösis fanden den Namen toll, sondern scheinbar auch 1 Million Touristen: wenn die Schlange vorm Sacher schon megalang war, war sie hier gigalang. Haben die alle kein zuhause? Nicht verzagen, Google fragen. Je nach gewähltem Ergebnis das erst- oder zweitbeste Kaffeehaus der Stadt ist das Café Jelinek. Vorteil: es liegt ziemlich weit ab von (touristischen) Schuss, so daß sich Busladungen von Reisenden*innen dort eher selten einfinden. Nachteil: es liegt ziemlich weit ab vom Schuss.

Was soll’s, jeder Gang macht schlank, jeder Schritt macht fit. Und über uns das lacht das Kaiserwetter (die Betonung liegt auf dem „über“, nicht auf dem „uns“). Und tatsächlich: 45 Minuten und etwa 4 Kilometer später ergattern wir den letzten Tisch. Um uns rum keine Chinesen, Japaner oder Amerikaner, sondern augenscheinlich echt wienerische Damen, Herren, Senioren und Studenten. Statt der weltweit unter Travellern verbreiteten Lingua Franca, dem BSE (bad simple english) dringt nur breitestes Wienerisch in unser Ohr – echt leiwand!

Kulinarische Zusammenfassung: Kuchen und Ambiente göttlich, Kaffee ungenießbar. Eine saure, bittere Plörre. Da half nicht mal mehr das Sahnehäubchen. Wenn das die Wiener Kaffee-Kultur ist, bleibe ich gerne Banause mit Löslichem.

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