Posted on Oktober 22, 2024
kultur, bitte
Wie vielleicht schon das eine oder andere mal durchgeklungen ist, wäre ich jetzt lieber in Laos, Kambodscha oder Indonesien. Da mache ich keinen Hehl draus. Allerdings muss ich auch zugeben, daß Wien auch ein tolles Reiseziel ist. Zwar wenig asiatisch, dafür mehr KuK. Wahrscheinlich ist an dem Wort, das mit „warum in die Ferne schweifen, …“ beginnt, doch was wahres dran.
Aber was haben Laos, Kambodscha, Köln-Nippes und Wien gemeinsam? – es gibt Märkte! Und während man in Fernost die Auswahl zwischen mannigfaltigen Wet-, Dry- und Night-Markets hat, und es in Nippes den Türkenmarkt gibt, findet man hier den Naschmarkt. Und der ist eher „but different“ als „same, same“. Von der kulinarisch-geographischen Ausrichtung hat er eher was vom Türkenmarkt, was wahrscheinlich zum einen an den Migrationsströmen des 20. und 21. Jahrhundert, zum anderen aber auch an der besonderen Beziehung Wiens und Österreichs zum Bereich des Balkans liegen dürfte. Dann ist er aber doch wieder anders, denn es gibt keine Marktstände oder -Buden mit wechselnden Beschickern, sondern der Betrieb findet in festen (und fest beschickten) Hütten und Häusern statt. Also alles in allem nicht wirklich das, was ich unter einem Markt verstehe. Eher eine Einkaufs- und Gastro-Straße. Eine Sache hat der Naschmarkt aber mit den o.g. asiatischen Markt-Varietäten gemeinsam: das Motto „mehr vom gleichen“.
An dieser Stelle passt folgende Exkursion ganz gut, denke ich: ein Freund (M. aus M.) meinte, als er mitbekommen hat, daß wir nach Wien fahren, daß er die Stadt als hoffnungslos überteuert erlebt hat. Natürlich ist Wien keine billige Stadt, aber wir haben uns in einer der vielen Naschmarkt-Gastronomien mit einem Croissant, einem Milchkaffee (mit Hafermilch, die kostet extra), einer großen Hopfenkaltschale und einer Linsen-Suppe gestärkt. Und das alles um 19 Euro. Die wärmende Sonne und das Kaiserwetter gab’s kostenlos obendrein. Wie gesagt, billig ist das nicht, aber „überteuert“ sicher noch weniger.


Dergestalt gestärkt konnten wir den nächsten Tagesordnungspunkt in Angriff nehmen: das Leopold Museum, die „Schatzkiste des Wiener Jugendstils“. Auch ich, als bekennender Banause, konnte durchaus Zugang zu den gezeigten Werken finden. Wobei man wahrscheinlich auch zugeben muss, daß Jugendstil sowas wie das „easy listening“ der bildenden Kunst ist. Und die Reihe der illustren Namen (und derer Werke) war Legion. Allen voran Klimt und Schiele, aber auch Gerstl, Kokoschka und viele andere, von denen man „schonmal gehört hat“. Was mich, erwartungsgemäß, mehr als die Gemälde angesprochen hat, waren die „dinglichen“ Ausstellungs-Objekte (Glas-Kunst, Gebrauchsgegenstände, Möbel, aber auch Architektur-Elemente).



Damit konnten wir, mit Naschmarkt und einem der großen Museen, auch diese Punkte von unserer Agenda abhaken. Eigentlich wäre danach noch der Besuch im Hundertwasserhaus (also dem Teil, in dem wir nicht logierten) angestanden, doch dazu waren wir beide, und unsere 4 Füße, einfach zu platt.
Irgendwie gibt es bei meinen Reisen ein ungeschriebenes, aber eisernes, Gesetz: egal wie durchgeplant der Tag war (oder aber auch das Gegenteil), gegen 16:00 Uhr bin ich im Zimmer, konsumiere ein lokales alkoholisches Getränk, kuratiere die photographische Ausbeute des Tages und erfülle des Chronisten Pflicht, indem ich die Ereignisse des Tages in diesem Blog festhalte. Und das ist heute nicht anders als gestern. Und das wird morgen wie heute sein (was ich zufällig genau weiß, denn in Wirklichkeit schreibe ich hier und heute über dort und gestern).
Nachtrag: abends gingen wir dann noch zu einem ergoogelten Geheimtipp (ist das nicht an sich schon ein Paradoxon?) essen. Die Beschreibung lautete „lokales Essen, gute Portionen, authentische Atmosphäre“. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, aber einiges zu untermauern: Schnitzel „Wiener Art“ vom Schwein (gibt es hier tatsächlich auch), für Birgit irgendwas vegetarisches, Getränke, Nachtisch – der Digestif ging auf’s Haus, weil ich (fast) richtig erraten habe, was für ein Brand das war (Pflaume oder Birne, das stört schließlich keinen großen Geist). 50 Euro. Überteuert ist definitiv anders.



