Posted on Oktober 23, 2024
kultur und banause
der Tag des Übersiedelns endete mit einem Konzert, das sozusagen den Inbegriff klassischer Musik vertrat: Mozart und Vivaldi…
Doch besser ich fange am Morgen des Tages an: aufstehen, alles zusammenpacken, zum „Radetzkyplatz“ laufen (mit Sack und Pack), mit der Straßenbahn zur „Börse“ fahren und im Hotel einchecken… und das alles mit nur einem Kaffee … da war das Frühstück in der Lounge wunderbar. Das durften wir genießen, da das Zimmer noch nicht fertig war (es war ja auch erst knapp 10:30h).
So gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Karlskirche, denn diese fehlte noch in den must do’s dieser Stadt. Dort angekommen stellten wir fest, dass uns fast 10,-€ Eintritt für die Kirche doch zu viel war und wir genossen statt dessen den Ausblick über den Karlsplatz von einer Sitzbank aus. Nach Fertiggucken schlenderten wir durch die Stadt, frei nach dem Motto: „und nichts zu suchen war mein Sinn…“
Gegen Mittag waren wir zurück am Hotel und das Zimmer war weiterhin nicht fertig, also genossen wir erneut die Lounge. Als wir um 14:00h ins Zimmer kamen, war unser Gepäck schon da und es folgte auf das viele Nichtstun eine ausgiebige Pause, mit Nachschlummern.
Das Abendprogramm war dann das Highlight dieses Tages: Konzert! Schick, (Haare schön und gut duftend), machten wir uns auf den Weg zum Wiener Musikverein. Herrlich ist hier der öffentliche Nahverkehr. Alle paar Minuten kommt eine Bahn, das Netz ist übersichtlich und die für uns wichtigen Destinationen waren allesamt extrem gut erreichbar. So auch das Konzerthaus.
Im Wiener Musikverein gibt es wenigsten 5 Konzertsäle und entsprechend viele Konzerte finden mehr oder weniger gleichzeitig statt. Es waren also richtig viele Menschen vorort. Wunderbarer weise kamen diese aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt: Asiaten im traditionellen Gewand der Japaner: Geisha mit riesiger Schleife auf dem Rücken inklusive der Zehentrennesocken und der entsprechenden Fußbekleidung, die die Damen zwang unendlich kleine, tippelnde Schrittchen zu machen. Eine Dame trug einen Kopfschmuck unbekannter Art (rot und golden) Frauen im Sari und so fort. Sprachlich spiegelte sich das auch wider: Französisch, Englisch, verschiedene Asiatische Sprachen waren zu hören, da gab es durchaus wenig Deutsch…
Unser Konzert fand im Brahms-Saal statt: Holzvertäfelung vom feinsten: goldene Intarsien, reich geschmückt und eng bestuhlt. Das Kammerorchester trat ohne Dirigenten auf, entsprechend übernahm der Konzertmeister, oder „Die erste Geige“ den Part des Einsatzgebens. Es war schön zu sehen, wie das gesamte Orchester sich auf ihn zentrierte. Im Laufe meines Lebens bin ich, glaube ich, ganz schön anspruchsvoll geworden, was klassische Musik anbelangt. So fällt mir extrem auf, wenn ein Orchester technisch gut spielt, es aber versäumt „miteinander zu musizieren“. In unserem Fall haben sie wunderbar miteinander musiziert: klanglich und rhythmisch gut aufeinander abgestimmt – sicht- und hörbar aufeinander bezogen. Das war eine Wohltat.



Im ersten Teil gab es Mozart: zwei kleine Symphonien, die nett anzuhören waren: virtuos gespielt und schön differenziert in Dynamik, Rhythmus und unterschiedlichen Lautstärken. Das war für meinen Geschmack auch genug Mozart und ich freute mich auf die vier Jahreszeiten von Vivaldi, die das Orchester nach der obligatorischen Pause präsentierten.
Da war er wieder, der Pferdefuß des hohen Anspruchs… Der Konzertmeister wurde zum Solisten und zeigte dies nicht zuletzt auch durch sein Hemd: versetzt waren hier das Schwarz der Orchesterkleidung und Knall-Bunt des herausstechenden Solisten zu sehen. Aus meiner Sich bissel zuuu viel des Guten. Leider hatte ich von Zeit zu Zeit den Eindruck, dass der Solist sich mit der Partie der Solo-Geige übernommen hatte: nicht alle Koloraturen waren sauber gespielt, ab und an traf er die falsche Oktave und Tempi sind wandelbar …
Herausragend war erneut das Orchester, das (bis auf ganz wenige Patzer) alle Spirenzchen des Solisten mitmachte und so für ein schönes Hörerlebnis sorgte.
Insgesamt war ich beseelt und erfüllt von schönen Klängen, die den Heimweg in der Straßenbahn beschwingten.



