hier (bzw. dort), auf jeden fall aber heute

Das mit der instagramablen Darstellung meiner Speisen muss ich definitiv noch üben. Im obigen Bild habe ich wahrscheinlich 997 der 1.000 schlimmsten Fehler vereint: Ausschnitt, Belichtung, Schattenwurf und 994 weitere. Zu meiner Entschuldigung: ich kam mir mit meinen Trecking-Schuhen, den, nur ganz leicht fleckigen, Jeans und meinem Japan-Comic-Shirt im feinen Café Sacher ohnehin schon reichlich deplatziert vor. Da wollte ich nicht noch weiter durch penibles Inszenieren meiner Nahrungsaufnahme als Person auffallen, die für gewöhnlich nicht in solchen Etablissements frequentiert (habe es nachgeschlagen: diese transitive, nicht-passivische Nutzung des Verbs „frequentieren“ gilt zwar als veraltet, ist aber korrektes Deutsch). Allerdings hätte ich nur ein paar Minuten warten müssen, um diesen Bedenken zu verscheuchen. Denn da erkannte ich: seine Nahrungsaufnahme, zumal an diesem Ort, nicht penibel zu inszenieren, ist mindestens genauso altmodisch wie die transitive, nicht-passivische Nutzung des Verbes „frequentieren“.

Nun denn, dann gebe ich meine Karriere als Food-Fluencer halt auf, bevor sie begonnen hat. Doch blenden wir ein paar Tage zurück. Anmerkung: aktuell bin ich mit meinen berichten „à-jour“, doch dieser Ausdruck ist wahrscheinlich so veraltet wie die transitive, .., ach, lassen wir das. Auf gut Deutsch: ich bin up-to-date, heute im Bericht ist heute im jetzt und hier. Hier ist immer noch Zell am See, bzw. das „hier“, um das es hier gehen soll, ist dort in Salzburg. Und ganz konkret die hiesige/ dortige Dependance des Hotel Sacher. Nachdem uns in Wien die Schlange bis zur Torte definitiv zu lang war, bekamen wir hier (also dort) sofort unseren Platz zugewiesen. Und was soll ich sagen: die Torte war ebenso süß wie die Preise gesalzen. Beides sicher ein guter Grund, daß dieser Genuss ein „once in a lifetime“ bleibt. Umso ärgerlicher, daß ich diesen einmaligen Moment der Nahrungsaufnahme nicht penibel zu inszenieren vermochte. Aber was soll’s, nicht hadern!

Außerdem: wir können immerhin einen Punkt von der Liste der Dinge, die wir in Wien nicht gemacht haben, streichen. Bleiben nur mehr:

  • Riesenrad fahren
  • sich mit einer Kugel mittels einem Gummiseil senkrecht 90 Meter in die Luft schiessen lassen (nur Birgit)
  • das Hundertwasser-Haus besuchen (konkret: den Trakt, den wir nicht bewohnten)
  • echtes Wiener Schnitzel essen (Backfleisch giltet nicht)
  • die Donau beschippern
  • … 991 weiter sträfliche Unterlassungen für jeden waschechten Traveller

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