Posted on April 27, 2025
Different, different …
… but same!
Ich, mittlerweile 51 Lenze alt, beichte hier freimütig, daß ich noch anno 2017 der festen Überzeugung war, das Licht in Russland wäre anders als anderswo. Irgendwie pastelliger, weniger gesättigt, flauer. Schwer in Worte zu fassen, auf jeden Fall aber deutlich anders. Umso überraschter war ich, als ich in Domodedovo aus dem Flieger stieg: der Tag war eiskalt und kristallklar, das was man bei uns als „Kaiserwetter“ bezeichnen würde. Keine Spur von pastellig, weniger gesättigt, flau. Eigentlich genau so, wie das Licht an einem Tag mit Kaiserwetter in Köln, Weinheim oder Tokyo so ist. Natürlich wusste meine, damals über 40-jährige Ratio, schon im Voraus, daß es so sein würde. Doch mein inneres Kalter-Kriegs-Kind konnte, und wollte, beim besten Willen nicht glauben, daß das Licht im (damals noch ehemaligen) „Reich des Bösen“ genauso sein könnte wie in der „zivilisierten Welt“.
Ähnlich, wenn auch um einiges weniger ausgeprägt, ging es mir vor unserer Reise auf den Balkan. Obwohl durchaus Globetrotter (ich selbst bevorzuge den Ausdruck „Traveller“), beschränken sich meine Erfahrungen in dieser Ecke unseres Planeten im Wesentlichen auf ein die Region Istrien, die ja (kulturell und historisch) eher Italien als Balkan ist. Zugegebenermaßen gab es, ganz am Ende meiner Ehe, noch ein paar Tage Bosnien, die habe ich aber, emotional, Blog- und Photo-mäßig, von meiner Persönlichkeit abgespalten. Dissoziiert würde Birgit(2) wohl sagen. Wie dem auch sei: ich erlaube mir, hier das mir innewohnende Kind der Tito-Zeit sprechen (besser: schreiben) zu lassen.
Jugoslawien, was ist das für mich?
- Blockfreier Tito-Viel-Völker-Staat
- Autos von furchtbar schlechter Qualität (Yugo – You Go)
- Cevpapcichi
- Familienurlaub, den wir wegen Hitze abgebrochen haben (und der dann in Kössen ein wesentlich kühleres/ angenehmeres Ende fand)
- Vučko, das winterliche Pendant zum Raketenmann von LA
- … und dann, ganz plötzlich: Krieg, wo keiner sein sollte
Umso überraschter war ich demnach auch diesmal wieder, als ich hier in Zagreb aus dem Ranger gestiegen bin: auch hier ist das Licht exakt das selbe wie in Lindenberg an einem verregneten Tag mit tief hängendem Himmel. Dabei hätte ich noch heute Früh gewettet, daß das nicht sein könne: das Licht muss anders sein – pastelliger, weniger gesättigt, flau? – ja, aber nein, nicht ganz: Tito-mäßiger, blockfreies Licht, sozusagen.
Es ist ein tolles Privileg, die Welt bereisen zu können und dabei festzustellen, daß wir Menschen zwischen Kroatien und Kaledonien weit mehr gemeinsam haben, als uns trennt. Und falls wir (ich) das in manchen Situationen nicht glauben können/ mögen, so können wir aber immer 100% sicher sein, daß das Licht, das über uns scheint, immer das gleiche ist. Natürlich weiß ich, daß das Licht jeweils abhängig von Jahreszeit, Wetter, Gelände, … ist, aber tatsächlich ist das eine der faszinierendsten Erfahrungen meiner Reisen: das Licht ist überall das selbe!
Mein Gedanke mit dem „universellen Licht“ ist zugegebenermaßen eher abstrakt, vielleicht sogar etwas esoterisch. Das ist wohl eher untypisch für mich. Deshalb möchte ich mit etwas sehr konkretem schließen:ich erinnere mich einigermaßen gut, als wir Anfang der 80er Jahre (Tito war gerade gestorben) die Reise nach Jugoslawien (konkret: Istrien) planten: Pässe, Visa, Geld/ Reiseschecks – auch für das Transitland Österreich. Heute reicht der deutsche Perso, den man aber auch nirgends vorzeigen muss. Und statt Mark, Schilling, Dinar und Kuna reicht das Handy/ die Uhr. Und auch deren Nutzung macht uns nicht mehr arm, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen wäre (Stichwort: Roaming). Unser gemeinsames Europa ist, so finde ich, ein ganz tolles Projekt. Neben dem rein praktischen Nutzen hat das für mich durchaus auch eine emotionale Komponente: zu sagen, ich fühle mich hier in Kroation „zu Hause“ wäre sicher übertrieben. Ich weiß aber, wann immer ich die blaue Flagge mit den goldenen Sternen sehe, bin ich in meiner „erweiterten Platzrunde“

