schluss mit lustig!

Heute ist schon übermorgen, und wir sitzen mittlerweile hoch über der Platzrunde von Zell am See, aber das ist Thema eines der nächsten Beiträge. Heute beschäftigen wir uns mit vorgestern, unserem letzten Tag in Wien. Wie schon verschiedentlich geschrieben, hatten wir die ersten 2 Tage vollkommenes Wetter-Glück. Kaiser-Wetter. Oder: wenn Engel reisen …. Am Dienstag, dem Tag des Übersiedelns ins Hilton, zeigte die Stadt ein ganz anderes Gesicht: die sommerhaft-heitere Leichtigkeit wich, quasi über Nacht, einem gewissen Herbst-Blues. Anders auf jeden Fall, melancholischer. Aber keineswegs schlecht. An dieser Stelle könnte der Satz mit dem schlechten Wetter und der schlechten Kleidung kommen – tut er aber nicht. Und zwar deshalb, weil er schlichtweg falsch ist. Die richtige Version lautet: es nützt das schönste Wetter nix, wenn’s regnet. Und genau das hat es an unserem letzten Tag in der Stadt getan. Zwar nur ein Mal, dafür aber den von früh bis spät. So fiel es uns nicht sonderlich schwer, den ganzen Tag die Möbel des Herrn Hilton zu hüten.

Ach ja, Hilton. Heute (also vorgestern) war nicht nur unser letzter Tag in Wien, es wird vermutlich auch unser letzter Aufenthalt in einem Haus dieser Kette gewesen sein. Da werde ich doch glatt etwas wehmütig. Gerne denke ich an Istanbul zurück, an die Suite mit Bosporus-Blick und die Lounge, die von morgens 7 bis 11 Uhr abends lokale und internationale Spezialitäten in fester und flüssiger Form bereithielt. Einziger Nachteil: das Angebot und das Ambiente war so verlockend, daß ich erschreckend wenig von der Stadt gesehen habe. Und dann waren da noch die 2 Aufenthalte in Bangkok. Die Cocktails zur Blauen Stunde in der Roof-Top Bar. Ach Kinners, wat war dat schön!

Daneben habe ich auch hotelleriemäßiges Mittelmaß erlebt: das Haus in Dresden hatte zwar eine absolut erstklassige Lage, direkt an der Frauenkirche. Und es hatte durchaus Oberklasse-Intentionen. Das Problem war aber, daß es aus den letzten Tagen der DDR stammte (wurde wohl, kurz vor dem Mauerfall, als Inter-Hotel eröffnet). Das führte zwar zu einem gewissen Retro-Charme, der reicht aber halt nicht für ein Spitzen-Hotel.

Und dann war da noch unsere Übernachtung im Nappa Valley. Die Unterkunft war mit keinem der oben genannten Hotels vergleichbar, was aber hauptsächlich daran liegt, daß die Marke Hilton in den USA ganz anders aufgestellt ist: die Stammhäuser sind dort eher solider Durchschnitt, wer’s luxuriöser will, muss in den, ebenfalls zum Konzern gehörenden, Conrad oder Waldorf-Astoria Häusern absteigen.

Und ein einziges Mal habe ich bei Hilton so richtig ins Klo gegriffen, sozusagen bis zum Klärwerk. In Barcelona. Wobei ich denke, daß da weder die Stadt noch das Hotel schuld waren. Es war Corona-Hochsaison und ich war froh, auf meiner Pyrenäen -Tour überhaupt ein Dach über dem Kopf zu finden. Trotzdem war ich ziemlich enttäuscht, daß die Lounge geschlossen hatte und ich, statt des legendären Büffets, mit eingeschweißtem Einfachst-Frühstück (pappige Brötchen, steinharte Butter, Marmelade (eine Sorte), und, als Highlight: eiskalter, viel zu dick geschnittener Räucherlachs) vorlieb nehmen musste. Und das ganze an einem Tisch für mich alleine (was kein Problem war) und in einer Blickrichtung mit den anderen Insassen, pardon, Gästen. Ein schlimmer Aufenthalt, eine schlimme Zeit!

Eine Sache, an die ich mich bei jedem einzelnen Hilton-Aufenthalt auf jeden Fall gerne erinnere, ist der Preis: 0 EUR, bzw. 0 Bath (Bangkok), 0 Lira (Istanbul) und 0 Dollar (USA). Wie sowas funktioniert? – leider garnicht mehr 🙁 Wie es funktioniert hat: Hilton-Kreditkarte beantragen und das Geld fleißig „Reitschul‘ fahren“ lassen. Mal eben 5 kEUR via Kreditkarte auf’s Revolut-Konto laden, das gibt Punkte, mit denen man, wenn man genügend davon hat, die Übernachtung zahlen kann. Immer schön drauf achten, daß das Geld wieder zum Ausgangspunkt zurückfindet, aber nicht auf direktem Weg, das fiele auf. Und auf zur nächsten Runde. Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Wenn man dann 20 kEUR Umsatz „gereitschult“ hat, bekommt man den Diamond-Status. Dann kann man (mit den gereitschulten Punkten) das billigste Zimmer buchen, das Upgrade ist sogut wie sicher, das Frühstücksbuffet und der Lounge-Zugang sind sicher. Der Teufel sch**** halt auf den größten Haufen. Richtiger: man konnte buchen, die Privilegien waren sicher und der Teufel schi***.

Daß mit diesem Geschäftsmodell kein Geld zu verdienen war, erkannten irgendwann auch die Hotelketten und Kreditkarten-Herausgeber, so daß seit Ende September gilt: game over, rien ne va plus. Schade, aber immerhin: die Erinnerungen nimmt uns keiner.

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