kultur und banause

der Tag des Übersiedelns endete mit einem Konzert, das sozusagen den Inbegriff klassischer Musik vertrat: Mozart und Vivaldi…

Doch besser ich fange am Morgen des Tages an: aufstehen, alles zusammenpacken, zum „Radetzkyplatz“ laufen (mit Sack und Pack), mit der Straßenbahn zur „Börse“ fahren und im Hotel einchecken… und das alles mit nur einem Kaffee … da war das Frühstück in der Lounge wunderbar. Das durften wir genießen, da das Zimmer noch nicht fertig war (es war ja auch erst knapp 10:30h).

So gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Karlskirche, denn diese fehlte noch in den must do’s dieser Stadt. Dort angekommen stellten wir fest, dass uns fast 10,-€ Eintritt für die Kirche doch zu viel war und wir genossen statt dessen den Ausblick über den Karlsplatz von einer Sitzbank aus. Nach Fertiggucken schlenderten wir durch die Stadt, frei nach dem Motto: „und nichts zu suchen war mein Sinn…“

Gegen Mittag waren wir zurück am Hotel und das Zimmer war weiterhin nicht fertig, also genossen wir erneut die Lounge. Als wir um 14:00h ins Zimmer kamen, war unser Gepäck schon da und es folgte auf das viele Nichtstun eine ausgiebige Pause, mit Nachschlummern.

Das Abendprogramm war dann das Highlight dieses Tages: Konzert! Schick, (Haare schön und gut duftend), machten wir uns auf den Weg zum Wiener Musikverein. Herrlich ist hier der öffentliche Nahverkehr. Alle paar Minuten kommt eine Bahn, das Netz ist übersichtlich und die für uns wichtigen Destinationen waren allesamt extrem gut erreichbar. So auch das Konzerthaus.

Im Wiener Musikverein gibt es wenigsten 5 Konzertsäle und entsprechend viele Konzerte finden mehr oder weniger gleichzeitig statt. Es waren also richtig viele Menschen vorort. Wunderbarer weise kamen diese aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt: Asiaten im traditionellen Gewand der Japaner: Geisha mit riesiger Schleife auf dem Rücken inklusive der Zehentrennesocken und der entsprechenden Fußbekleidung, die die Damen zwang unendlich kleine, tippelnde Schrittchen zu machen. Eine Dame trug einen Kopfschmuck unbekannter Art (rot und golden) Frauen im Sari und so fort. Sprachlich spiegelte sich das auch wider: Französisch, Englisch, verschiedene Asiatische Sprachen waren zu hören, da gab es durchaus wenig Deutsch…

Unser Konzert fand im Brahms-Saal statt: Holzvertäfelung vom feinsten: goldene Intarsien, reich geschmückt und eng bestuhlt. Das Kammerorchester trat ohne Dirigenten auf, entsprechend übernahm der Konzertmeister, oder „Die erste Geige“ den Part des Einsatzgebens. Es war schön zu sehen, wie das gesamte Orchester sich auf ihn zentrierte. Im Laufe meines Lebens bin ich, glaube ich, ganz schön anspruchsvoll geworden, was klassische Musik anbelangt. So fällt mir extrem auf, wenn ein Orchester technisch gut spielt, es aber versäumt „miteinander zu musizieren“. In unserem Fall haben sie wunderbar miteinander musiziert: klanglich und rhythmisch gut aufeinander abgestimmt – sicht- und hörbar aufeinander bezogen. Das war eine Wohltat.

Im ersten Teil gab es Mozart: zwei kleine Symphonien, die nett anzuhören waren: virtuos gespielt und schön differenziert in Dynamik, Rhythmus und unterschiedlichen Lautstärken. Das war für meinen Geschmack auch genug Mozart und ich freute mich auf die vier Jahreszeiten von Vivaldi, die das Orchester nach der obligatorischen Pause präsentierten.

Da war er wieder, der Pferdefuß des hohen Anspruchs… Der Konzertmeister wurde zum Solisten und zeigte dies nicht zuletzt auch durch sein Hemd: versetzt waren hier das Schwarz der Orchesterkleidung und Knall-Bunt des herausstechenden Solisten zu sehen. Aus meiner Sich bissel zuuu viel des Guten. Leider hatte ich von Zeit zu Zeit den Eindruck, dass der Solist sich mit der Partie der Solo-Geige übernommen hatte: nicht alle Koloraturen waren sauber gespielt, ab und an traf er die falsche Oktave und Tempi sind wandelbar …

Herausragend war erneut das Orchester, das (bis auf ganz wenige Patzer) alle Spirenzchen des Solisten mitmachte und so für ein schönes Hörerlebnis sorgte.

Insgesamt war ich beseelt und erfüllt von schönen Klängen, die den Heimweg in der Straßenbahn beschwingten.

vintage fahrzeuge

kapitel 1, wien „typ e2“, ein lizenz-nachbau des düwag typ „mannheim“ – deswegen kam der mir gleich so bekannt vor

kultur, bitte

Wie vielleicht schon das eine oder andere mal durchgeklungen ist, wäre ich jetzt lieber in Laos, Kambodscha oder Indonesien. Da mache ich keinen Hehl draus. Allerdings muss ich auch zugeben, daß Wien auch ein tolles Reiseziel ist. Zwar wenig asiatisch, dafür mehr KuK. Wahrscheinlich ist an dem Wort, das mit „warum in die Ferne schweifen, …“ beginnt, doch was wahres dran.

Aber was haben Laos, Kambodscha, Köln-Nippes und Wien gemeinsam? – es gibt Märkte! Und während man in Fernost die Auswahl zwischen mannigfaltigen Wet-, Dry- und Night-Markets hat, und es in Nippes den Türkenmarkt gibt, findet man hier den Naschmarkt. Und der ist eher „but different“ als „same, same“. Von der kulinarisch-geographischen Ausrichtung hat er eher was vom Türkenmarkt, was wahrscheinlich zum einen an den Migrationsströmen des 20. und 21. Jahrhundert, zum anderen aber auch an der besonderen Beziehung Wiens und Österreichs zum Bereich des Balkans liegen dürfte. Dann ist er aber doch wieder anders, denn es gibt keine Marktstände oder -Buden mit wechselnden Beschickern, sondern der Betrieb findet in festen (und fest beschickten) Hütten und Häusern statt. Also alles in allem nicht wirklich das, was ich unter einem Markt verstehe. Eher eine Einkaufs- und Gastro-Straße. Eine Sache hat der Naschmarkt aber mit den o.g. asiatischen Markt-Varietäten gemeinsam: das Motto „mehr vom gleichen“.

An dieser Stelle passt folgende Exkursion ganz gut, denke ich: ein Freund (M. aus M.) meinte, als er mitbekommen hat, daß wir nach Wien fahren, daß er die Stadt als hoffnungslos überteuert erlebt hat. Natürlich ist Wien keine billige Stadt, aber wir haben uns in einer der vielen Naschmarkt-Gastronomien mit einem Croissant, einem Milchkaffee (mit Hafermilch, die kostet extra), einer großen Hopfenkaltschale und einer Linsen-Suppe gestärkt. Und das alles um 19 Euro. Die wärmende Sonne und das Kaiserwetter gab’s kostenlos obendrein. Wie gesagt, billig ist das nicht, aber „überteuert“ sicher noch weniger.

Dergestalt gestärkt konnten wir den nächsten Tagesordnungspunkt in Angriff nehmen: das Leopold Museum, die „Schatzkiste des Wiener Jugendstils“. Auch ich, als bekennender Banause, konnte durchaus Zugang zu den gezeigten Werken finden. Wobei man wahrscheinlich auch zugeben muss, daß Jugendstil sowas wie das „easy listening“ der bildenden Kunst ist. Und die Reihe der illustren Namen (und derer Werke) war Legion. Allen voran Klimt und Schiele, aber auch Gerstl, Kokoschka und viele andere, von denen man „schonmal gehört hat“. Was mich, erwartungsgemäß, mehr als die Gemälde angesprochen hat, waren die „dinglichen“ Ausstellungs-Objekte (Glas-Kunst, Gebrauchsgegenstände, Möbel, aber auch Architektur-Elemente).

Damit konnten wir, mit Naschmarkt und einem der großen Museen, auch diese Punkte von unserer Agenda abhaken. Eigentlich wäre danach noch der Besuch im Hundertwasserhaus (also dem Teil, in dem wir nicht logierten) angestanden, doch dazu waren wir beide, und unsere 4 Füße, einfach zu platt.

Irgendwie gibt es bei meinen Reisen ein ungeschriebenes, aber eisernes, Gesetz: egal wie durchgeplant der Tag war (oder aber auch das Gegenteil), gegen 16:00 Uhr bin ich im Zimmer, konsumiere ein lokales alkoholisches Getränk, kuratiere die photographische Ausbeute des Tages und erfülle des Chronisten Pflicht, indem ich die Ereignisse des Tages in diesem Blog festhalte. Und das ist heute nicht anders als gestern. Und das wird morgen wie heute sein (was ich zufällig genau weiß, denn in Wirklichkeit schreibe ich hier und heute über dort und gestern).

Nachtrag: abends gingen wir dann noch zu einem ergoogelten Geheimtipp (ist das nicht an sich schon ein Paradoxon?) essen. Die Beschreibung lautete „lokales Essen, gute Portionen, authentische Atmosphäre“. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, aber einiges zu untermauern: Schnitzel „Wiener Art“ vom Schwein (gibt es hier tatsächlich auch), für Birgit irgendwas vegetarisches, Getränke, Nachtisch – der Digestif ging auf’s Haus, weil ich (fast) richtig erraten habe, was für ein Brand das war (Pflaume oder Birne, das stört schließlich keinen großen Geist). 50 Euro. Überteuert ist definitiv anders.

köpfe

kapitel 2, karls-kirche wien, 22.10.2024

kapitel 1: leopold museum, wien, 21.10.2024

hotel sacher, der portier!

Nach dem Ankunftstrunk sieht die Tradition für den zweiten Tag das Erkunden der Destination vor. Oder, in anderen Worten: stromern, sich treiben lassen, „nichts zu suchen ist mein Sinn“. und üblicherweise erstrecken sich diese ersen Schritte entlang ausgetretener Pfade. Hier nicht anders: Stephansdom, Hofburg, Burgtheater.

Und das legendäre Hotel Sacher. Die Sachertorte steht natürlich auf unserer Agenda. Aber: nicht hier, nicht heute. Die Schlange an Reisenden aus aller Herren Länder erstreckt sich bis zum Horizont. Haben die alle kein zuhause? Auf der anderen Seite: wer will’s ihnen verübeln, es ist ein Sonntag, der seinem Namen alle Ehre macht. Kaiser-Wetter. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, vielleicht ist’s unter der Woche ja besser.

Auch ohne Torte macht sich doch ein gewisser Kaffeedurst bemerkbar. Kein Problem, schließlich sind wir in der Welthauptstadt der Kaffeehaus-Kultur. Ich muss zugeben, ich dachte bis heute, „Café Central“ sei der exklusive Name des Weinheimer Jugendtreffs. Aber irgendwie scheinen die Ösis den so toll gefunden zu haben, daß sie ihn direkt klauten. Und nicht nur die Ösis fanden den Namen toll, sondern scheinbar auch 1 Million Touristen: wenn die Schlange vorm Sacher schon megalang war, war sie hier gigalang. Haben die alle kein zuhause? Nicht verzagen, Google fragen. Je nach gewähltem Ergebnis das erst- oder zweitbeste Kaffeehaus der Stadt ist das Café Jelinek. Vorteil: es liegt ziemlich weit ab von (touristischen) Schuss, so daß sich Busladungen von Reisenden*innen dort eher selten einfinden. Nachteil: es liegt ziemlich weit ab vom Schuss.

Was soll’s, jeder Gang macht schlank, jeder Schritt macht fit. Und über uns das lacht das Kaiserwetter (die Betonung liegt auf dem „über“, nicht auf dem „uns“). Und tatsächlich: 45 Minuten und etwa 4 Kilometer später ergattern wir den letzten Tisch. Um uns rum keine Chinesen, Japaner oder Amerikaner, sondern augenscheinlich echt wienerische Damen, Herren, Senioren und Studenten. Statt der weltweit unter Travellern verbreiteten Lingua Franca, dem BSE (bad simple english) dringt nur breitestes Wienerisch in unser Ohr – echt leiwand!

Kulinarische Zusammenfassung: Kuchen und Ambiente göttlich, Kaffee ungenießbar. Eine saure, bittere Plörre. Da half nicht mal mehr das Sahnehäubchen. Wenn das die Wiener Kaffee-Kultur ist, bleibe ich gerne Banause mit Löslichem.

street- und wall-art

kapitel 1: wien/ zell am see – oktober 2024

haben sie wien schon bei nacht geseh’n?

An dieser Stelle erfolgt, wie üblich, der Bericht über die Anreise. Normalerweise stünde hier was von einem ruhigen Flug, einer butterweichen Landung und miesem Flugzeug-Essen. Dem ist diesmal nicht so. Zwar hatten wir auch diesmal einen erstklassigen Kapitän (der Landstraße), die Stewardess hatte aber, für meinen Geschmack, schon ein paar nautische Meilen zu viel runter. Und vom Service wollen wir mal garnicht erst reden. Der war wirklich unter aller Kanone: außer einem glühend heißen Kaffee und einem lapprigen Tee gab es NICHTS. Und das bei über 6 Stunden Reisezeit.

Der nächste Absatz wird dann der Unterkunft gewidmet. So sei es auch hier. Lage: am/im Hundertwasserhaus, einen Steinwurf vom Riesenrad entfernt, (am Wochenende kostenlose) Parkplätze direkt vor der Tür – sehr gut. Appartement im 5 Stock. Aussicht – sehr gut. Und es gibt einen Aufzug – sehr gut. Allerdings funktioniert er nicht – schlecht! Aber was soll’s? Jeder Gang macht schlank, jeder Schritt macht fit. Wäre doch gelacht, wenn ich den tonnenschweren Rucksack und den sackschweren Koffer nicht hochgebuckelt bekäme.

An dieser Stelle muss ich eine Zwischenfrage platzieren: kann es sein, daß sämtliche Ferienunterkünfte dieser Welt einen Rahmenvertrag mit Ikea haben? – ich war, außer in Kuba, noch nie in einem Ferienhaus, einem Appartement oder einem Airbnb, das nicht wie aus dem Katalog gepellt aussah … während ich das schreibe, fällt mir ein, daß das doch nicht ganz der Wahrheit entspricht. Bei der Hochzeitsfeier von Birgits Bruder waren wir in einer Unterkunft, deren Ausstattung eindeutig nicht vom schwedischen Innenausstatter, sondern vom Sperrmüll stammte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bei unseren letzten Flügen, zumindest den (dem einen) der höheren Buchungsklasse, gab es das Gläschen „Champagne“ vor dem Abheben. Bei den anderen (in den etwas einfacheren Kategorien) musste ein Dosenbier aus dem Airport-Supermarkt als Ersatz dienen. Beides fiel diesmal, aus gegebenem Anlass, aus. Und auch der Onboard-Service lies, wie beschrieben, einiges zu wünschen. Und dann noch die Plackerei, bis das Gepäck im Zimmer war. Damit hatten wir uns einen Schluck Willkommens-Cremant mehr als verdient.

Eigentlich war geplant, nur kurz das Appartement in Beschlag zu nehmen, uns den Willkommens-Trunk hinter die Binde zu kippen und dann sollte es losgehen zur ersten Erkundungstour. Da ich aber zum einen noch keinen Bissen im Bauch hatte und zum anderen in letzter Zeit ziemlich konsequent dem Geist des Weines entsagt habe, zeitigte der Schluck (Flasche) Schaumwein, zusammen mit der begeisternden Aussicht auf den Prater, einen Effekt, den Birgit fachmännisch als „Logorhoe“ bezeichnete. Für diejenigen unter den geneigten Lesern, die der Ärzte-, Bader- und Quacksalber-Sprache nicht mächtig sind: Sprechdurchfall!

Der Tag geht, der Hunger kommt. Und was ißt man in Wien? Wiener Schnitzel natürlich! Oder sollte es da noch etwas anderes geben? Ja, gibt es, sozusagen den etwas beschiedeneren kleinen Bruder, das Backfleisch. Küchentechnisch handelt es sich dabei um gesottenen Tafelspitz, der in einer Panade aus Meerrettich, Ei und Mehl knusprig ausgebacken wird. Kulinarisch handelt es sich dabei, wie ich im Nachhinein hier berichten darf, um nicht weniger als einen Orgasmus.

Doch wie im echten Leben: vor dem Höhepunkt kommt das Abmühen. Die erste Mühe war, eine geeignete Gaststätte zu finden. Da das Backleisch, wie geschrieben, deutlich weniger prominent ist als das Wiener-Schnitzel, muss man Google schon sehr „heikel“ befragen, um eine brauchbare Antwort zu bekommen. Und die offenbart dann die zweite Mühe: während Schnitzel an jedem Touri-Hotspot zu haben sind, befinden sich die Lokale mit der Spezialität Backfleisch eher in Bezirken, wo sich der handelsübliche Standard-Tourist eher selten hin verirrt. Man könnte auch sagen: jwd. Oder, etwas rustikaler: am Arsch der Welt.

Was soll’s, eine halbe Stunde U-Bahn-Fahrt und ein Laufbier später waren wir am Ort unserer fleischlichen Begierde. Und was soll ich sagen: augenscheinlich waren wir die einzigen Touristen in dem ganzen Etablissement. Über die außerordentliche Güte des Hauptgerichts habe ich mich ja schon ausgelassen, aber auch die Vorspeise (je 6 Weinbergschnecken, mit ordentlich ordentlichem Käse überbacken) und der Wein (Memo an die Wein-Connaiseure innerhalb der geneigten Leserschaft: es gibt keinen weißen Zweigelt) waren die Mühen definitiv Wert und trugen ihren Teil zum Höhepunkt dieses Urlaubstages bei.

Referenzen:

die welt durch fremde augen

kapitel 1: stephansdom, wien, 20.10.2024

vorfreude ist die schönste freude

Und elementarer Teil dieser Vorfreude ist das Abhaken, bzw. Durchstreichen, der Punkte auf der Vor-Urlaubs-Todo-Liste!

ausgegangen/ jazz

Ein Jazz-Konzert. Das kann ja was werden. Auf der anderen Seite: man kann ja nicht immer nur in den eigenen 4 Wänden das Möbel hüten. Nun denn, auf in die nächstgelegene Großstadt (die übrigens die Großstadt mit dem kürzesten Namen ist) und rein ins kulturelle Nachtleben.

Doch vorher heißt es ausgehfein machen: ausführlich Baden, den Bart stutzen und rein in den feinen Zwirn, der erfreulicherweise noch/ wieder zugeht. Ein schwarzer Rolli wäre darunter sicher angebrachter gewesen als das oliv-grüne Funktionsoberteil, der wäre aber definitiv viel zu presswurstig gewesen. Dazu, auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen, die guten Treter. Ich persönlich fand barfuß in Jesuslatschen durchaus angemessen für ein Jazz-Konzert. – Verdammt, habe ich schon lange keine Nicht-Treckingschuhe mehr getragen! Das wird kein Spaß! Aber: was macht man nicht alles für die Frauen.

Wie sagte schon Bert Brecht: erst kommt das Fressen, dann die Kultur (oder so ähnlich). Und genau so sollten wir es auch halten. Da wollte ich mich nicht lumpen lassen und habe meine Frau in die Feinkost-Abteilung eines renommierten skandinavischen Innendesigners ausgeführt, wo wir uns an einem Mehr-Gänge-Menü delektierten:

Bei unserer Ankunft am Veranstaltungsort überkam uns zunächst die Befürchtung, wir könnten am falschen Platz sein. Nachdem wir aber durch die Fenster technisches Equipment erblickten, und kurz danach auch freundlich vom Veranstalter hineingebeten wurden, freuten wir uns auf ein Privatkonzert.

Ganz privat war’s dann zwar doch nicht, aber von ausverkauftem Haus/ Kirche zu reden, wäre eine maßlose Übertreibung. Spontan kam mir der alte Witz vom Jazz-Musiker und dem Arzt in den Sinn.

Einen Arzt hätte ich mittlerweile selbst gut gebrauchen können: die Schuhe drückten dermaßen, daß mir jeder Schritt die Tränen in die Augen trieb und die Kirchenstühle waren so unbequem, daß man meinte, ihr Zweck sei einzig das Leid Christi zu vermitteln.

Zum Konzert selbst? – was soll ich da sagen, es war gut. Wirklich gut. Erstaunlich gut. Auch wenn ich bisweilen den Eindruck hatte, ich würde über 2 Stunden lang das gleiche Stück hören, konnte ich mich dem Zauber der aufgezeichneten „Klanglandschaften“ und der starken Dynamik, die vor allem der Schlagzeuger erzeugte, nicht erwehren.

Alles in allem schon ein ziemlich gelungener Tag/ Abend!